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Thomas Sautner: Pavillon 44

Thomas Sautner ist immer gut! Und wenn sein Roman fast 500 Seiten umfasst, er einige Jahre daran gearbeitet hat, ist es noch erfreulicher! Wofür ist Sautner diesmal gut? Dank seiner intensiven Beobachtungsgabe und humorvollen Analysierung – für stetes Lächeln und intensive Gespanntheit!

Harald Darer: Blaumann

Reise in die Vergangenheit. Der Protagonist löst sein Versprechen an einen kollegen seiner Lehrjahre ein und kehrt nach 25 Jahren an den Ort zurück, wo er einst tätig war. „Tätig war” ist schöngeredet, denn er hatte gemeinsam mit seinem Kollegen furchtbare Lehrjahre hinter sich. Der Juniorchef traktierte sie, wo er nur konnte und behandelte sie wild gestikulierend, finster dreinschauen, mit einfachsten Zurufen in seiner Sprüchesprache gezielt abfällig.

Josef Enz: Frottage

2022 gab Josef Enz meine Lieblingswerke, die Aphorismensammlung mit Zeichnungen: CAPUT:Kopf sowie den Band KUNST STURZ: Enchiridion der Kunstbetrachtung heraus. Und wie er selber sagt: Hat die Kunstform der Handzeichnung und ein Aphorismus eine bemerkenswerte Gemeinsamkeit – Kein Strich, kein Wort ist zu viel, treffsicher, konzise, nicht genauigkeitsabhängig, dafür aber frei im Geist und in der Phantasie.

Axel Karner: In adern dünn brach licht

Lebens-Miniaturen: Axel Karner wurde 1955 in Zlan, Oberkrain/Slowenien geboren, unterrichtete in Wien evangelische Religion und darstellendes Spiel und soziales Lernen. Er veröffentlichte nun seinen siebten Gedichtband. Dieses Mal fehlen die Illustrationen. Sie müssten Wunden, Tod und Verbrechen beinhalten. Die Texte kommen daher im Umfang klein und zart, in der Wirkung umso gewichtiger einher.

Katalin Pécsi: Salziger Kaffee

Unerzählte Geschichten jüdischer Frauen. Da die Autorin und Sammlerin von Erzählungen jüdischer, vor allem ungarisch-jüdischer, Frauen meint, die Stimme der Frau aus den Kriegstagen des II. WK fehle, habe sie zu sammeln begonnen. Zuerst startete sie Vorlese- Stunden in Kaffeehäusern oder Galerien in Budapest, um 2007 wurden diese auf Ungarisch und Englisch zu drucken.

Margit Mössmer: Das Geheimnis meines Erfolges

Einfühlsamkeit in ungewöhnliche Situationen und gegenüber einem „einzigartigen” Kind wird der Mutter Nina abverlangt. Sie ist am Ende ihrer Kräfte und sucht vergebens Rat oder eine brauchbare Diagnose bei Ärzten. Vieles ist verdreht, z.B. isst das Kind nicht, tyrannisiert als Baby Tag und Nacht die alleinerziehende Mutter durch ihr ununterbrochenes Schreien. Die Mutter erklärt der hinzugezogenen Ärztin: Mein Kind schreit nicht, weil die Ohren entzündet sind, sondern die Ohren sind entzündet, wegen dem vielen Schreien!

Attilio Bertolucci: In unsicherer Zeit

Momentaufnahmen aus dem italienischen Alltag, dem Durchstreifen der Natur und dem steten Beobachten als Voraussetzung fürs Poetische. Die Sprache Bertoluccis gibt mehr her, als es scheint. Sie verbirgt auch mehr und poetisiert, wo unglaublich einfache Dinge berührt/erzählt werden. Bertolucci, könnte man meinen, bearbeitet anspruchslose Themen, verinnerlicht sie und hebt sie durch die eigenen Augen gesehen wieder ins rechte Licht der Sprache und des Ausdrucks.