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„Es ist nicht alles Gold, was glänzt“ Ödipus/Antigone

Golden glänzen die kettenhemdartigen Kostüme im eher dunklen Bühnenraum. Auf der Drehscheibe haben alle Protagonisten, optisch sorgsam platziert, Stellung bezogen und das Aufdeckungsspiel beginnt. Wer ist Ödipus, welche Verbrechen sind ihm anzulasten und wie straft er sich selbst – so kurz wäre der erste Teil abzuhandeln. Er gerät jedoch mit über 1 ½ Stunden auch für die Klassik erprobten Zuschauer zu lang. Die klassischen Texte erfordern durch ihre Syntax und Semantik die ganze Aufmerksamkeit. Die klassische Variante des Bühnenspiels ohne Spektakel und Pathos, ohne Wechsel der Kostüme oder des Bühnenbildes ist einerseits wohltuend und dem Ernst des Inhalts geschuldet, andererseits einlullend stereotyp und lässt auch keine Zeit/keinen Raum für den Gegenwartsbezug (Fremder, Heimkehrer, Inzest, Einsicht-Buße …). Da hätte Alia Luque seine Inszenierung stark kürzen und raffen müssen und das Risiko des Verlustes der klassischen Authentizität eingehen müssen.

Um die Wette Feiertags-Komödie

UM DIE WETTE (1861 „La poudre aux yeux“) ist bereits 150 Jahre alt und hat ein allgemeingültiges Thema zugrunde: das mehr Scheinen als Sein. Mit viel gedanklichem Aufwand und Improvisation werden Dienstpersonal, Kutscher samt Kutsche und hohe Gehälter simuliert, um Ansehen und sozialen Status zu erhöhen. Es geht um die eheliche Verbindung zweier bürgerlicher Kinder, deren Eltern nicht nur besser situiert erscheinen wollen, sondern auch mehr Mitgift herausholen möchten. Das Vorspiegeln von Luxus hat natürlich seinen Preis und soziale Aufwärtsvergleiche lassen außerdem die Frage nach inneren Qualitäten der Handelnden nicht zu.