„Es ist nicht alles Gold, was glänzt“ Ödipus/Antigone
Golden glänzen die kettenhemdartigen Kostüme im eher dunklen Bühnenraum. Auf der Drehscheibe haben alle Protagonisten, optisch sorgsam platziert, Stellung bezogen und das Aufdeckungsspiel beginnt. Wer ist Ödipus, welche Verbrechen sind ihm anzulasten und wie straft er sich selbst – so kurz wäre der erste Teil abzuhandeln. Er gerät jedoch mit über 1 ½ Stunden auch für die Klassik erprobten Zuschauer zu lang. Die klassischen Texte erfordern durch ihre Syntax und Semantik die ganze Aufmerksamkeit. Die klassische Variante des Bühnenspiels ohne Spektakel und Pathos, ohne Wechsel der Kostüme oder des Bühnenbildes ist einerseits wohltuend und dem Ernst des Inhalts geschuldet, andererseits einlullend stereotyp und lässt auch keine Zeit/keinen Raum für den Gegenwartsbezug (Fremder, Heimkehrer, Inzest, Einsicht-Buße …). Da hätte Alia Luque seine Inszenierung stark kürzen und raffen müssen und das Risiko des Verlustes der klassischen Authentizität eingehen müssen.