INTERVIEW: OMAS GEGEN RECHTS
Anlässlich der Präsentation der Omas gegen Rechts am Rathausplatz St. Pölten.
Wer hat die Omas gegen Rechts in St. Pölten gegründet? Mehrere Omas waren bereits in der österreichischen Kernorganisation aktiv, jedoch fehlte uns die regionale Initiative, um vor Ort auf unsere Anliegen aufmerksam zu machen. Kurze Wege und persönlicher Kontakt sind uns besonders wichtig, daher haben wir beschlossen, nach Vorbild in anderen Bundesländern, auch Omas in Niederösterreich zu etablieren.
Was hat Sie persönlich dazu bewegt, sich den „Omas gegen Rechts“ anzuschließen? In einer Zeit großer Umbrüche und Verunsicherung sehen wir unsere Gesellschaft zusehends gespalten. Fehlende Solidarität und Toleranz, Fremdenfeindlichkeit und soziale Ungerechtigkeit gefährden zusehends unseren Wohlstand und Zusammenhalt. Wir engagieren uns für unsere Kinder, Enkel sowie zukünftige Generationen für eine lebenswerte Zukunft.
Welche Ziele verfolgen Sie konkret mit den „Omas gegen Rechts“? Wir wollen eine teils gleichgültige Öffentlichkeit gegenüber Populismus, radikalen Ideen und Falschinformation aufrütteln. Menschenrechte wie Freiheit, Gleichheit, Würde oder Sicherheit sind für uns Basis einer funktionierenden Demokratie.
Welche Aktionen/Veranstaltungen organisieren Sie in diesem Jahr in St. Pölten und Umgebung? Punktuell treffen wir uns zu Informationsveranstaltungen in St. Pölten, verteilen Flyer und diskutieren mit Interessierten. Am 16. Mai gibt es einen Aktionstag von 15 bis 17 Uhr beim Cinema Paradiso am Rathausplatz.
Arbeiten Sie mit anderen Initiativen/Organisationen zusammen? Einige Omas unterstützen auch Initiativen für den Klimaschutz oder etwa #zusammenHalt NÖ.
Was bedeutet für Sie „gegen rechts“? – Wo ziehen Sie persönlich die Grenzen? Also Verherrlichung Nationalsozialismus, Wiederbetätigung oder Antisemitismus geht gar nicht. Ebenso Gewalt und Diskriminierung in welcher Form auch immer. Das betrifft auch alle anderen politischen oder religiösen Weltanschauungen. Dazu ist mehr Zivilcourage gefordert.
Wie reagieren die Menschen in St. Pölten auf Ihre Aktionen? Sehr positiv. Wir haben oft angeregte Diskussionen und erhalten gute Rückmeldungen. Das ermuntert uns weiterzumachen. Auch der Bürgermeister Matthias Stadler bedankte sich bei uns für unser Engagement und schrieb uns: „Ich bin froh, dass diese gesellschaftlich so wichtige Initiative nun auch in St. Pölten mit Leben erfüllt wird und bin mir sicher, dass sich die richtigen Menschen dieser Sache angenommen haben.“
Welche Erfahrungen haben Sie im Umgang mit Kritik oder Anfeindungen gemacht? Natürlich wurden wir schon auf der Straße beschimpft oder für diffuse Missstände verantwortlich gemacht. Meistens gelingt es im Gespräch Aggressionen zu besänftigen und man trennt sich respektvoll. Für mich persönlich ist jede Diskussion wertvoll, die positiv verläuft.
Was wünschen Sie sich von der jüngeren Generation? Wir engagieren uns für eine solidarische Gesellschaft, die den nächsten Generationen gute Lebensperspektiven bietet. Wir wünschen uns eine Jugend, die sich für ein tolerantes und respektvolles Miteinander einsetzt. Demokratie ist nicht selbstverständlich! Demokratisches Verhalten muss gelehrt und gelernt werden.
Wie viele Omas gegen Rechts gibt es denn in St. Pölten/Umgebung? Rund 160, Tendenz stark steigend.
Wie oft trefft ihr euch? Wir treffen uns einmal im Monat, bei Bedarf in kleineren Gruppen auch öfter.