„Der Tag, an dem mein Großvater ein Held war“
Dass die Familiengeschichte Paulus Hochgatterers aus dem März 1945 Spannung erzeugt, ist klar, aber dass die Fassung, so schlicht und einfach sie ist, so toll ausgefallen ist und sich die vier jungen Schauspieler/innen derart ins Zeug legen, ist wirklich einzigartig!
Les ballets C de la B, Requiem pour L.
Alain Platel als Performer und Tanzchoreograf ist international berühmt. Er liebt das sparsame Bühnenbild, die wilden wie die stillen Gesten. Großformatig hat er das Video einer Frau, die Abschied nimmt und den Körper zurücklässt in Schwarz-Weiß über den ganzen Bühnenhintergrund gespannt. Gebannt verfolgt jeder das Sterben dieser Frau und sieht als Kontrast davor 14 Musiker und Tänzer spielen, die schreiten, tanzen, laufen, hopsen, den Flügelschlag imitieren oder mit dem weißen Tuch Abschied winken. Sopran, Tenor und Alt singen gemeinsam mit vier weiteren Mitgliedern des Ensembles, wie auch vereinzelt, kommen zusammen, legen Steine auf die imitierten Gräber und bewegen sich wie die Tänzer über das Gräberfeld. Anschwellende afroamerikanische Gesänge mischen sich mit der Musik Mozarts Requiem, das er unvollendet vor seinem Ableben als 35-Jähriger 1791 schrieb.
Um die Wette Feiertags-Komödie
UM DIE WETTE (1861 „La poudre aux yeux“) ist bereits 150 Jahre alt und hat ein allgemeingültiges Thema zugrunde: das mehr Scheinen als Sein. Mit viel gedanklichem Aufwand und Improvisation werden Dienstpersonal, Kutscher samt Kutsche und hohe Gehälter simuliert, um Ansehen und sozialen Status zu erhöhen. Es geht um die eheliche Verbindung zweier bürgerlicher Kinder, deren Eltern nicht nur besser situiert erscheinen wollen, sondern auch mehr Mitgift herausholen möchten. Das Vorspiegeln von Luxus hat natürlich seinen Preis und soziale Aufwärtsvergleiche lassen außerdem die Frage nach inneren Qualitäten der Handelnden nicht zu.
CHRISTMAS with LONDON BRASS
England war im frühen 19. Jhdt. nicht nur das Land der großen Kohlengruben und Stahlwerke, sondern auch der damals neu entstandenen Blechbläsergruppen. Aus der Tradition der ca. 20.000 Kapellen und Ensembles der Jahrhundertwende stammt auch diese Kapelle von Philip Jones, die von zwei Bandmitgliedern als „London Brass“ weitergeführt wurde.
Klaus Doldinger`s Passport
Ein Allround-Genie steht mit 82 Jahren auf der Bühne des Festspielhauses. Er ist liebenswert und leitet seine Stücke ein, einmal sind sie besinnlich, dann verzaubern sie und heißen „Akrakadabra“, oder sind im 7/4 Takt geschrieben und heißen „Seven for four“. Einmal führen das Saxofon, dann die drei Drummer oder die Elektro-Gitarre mit Solos. Aus ruhig fließenden Tonleiter-Gegurgel entwickelt Doldinger einen interessanten Song und überhaupt ist der Blues ständig dabei. Schließlich waren Fatty George und Joe Zawinul oder Roland Kowatsch seine Freunde.
Ein Fest für Michael Köhlmeier
Das heurige Fest zur Ehrung eines österreichischen Literaten wurde mit Vorträgen/Referaten (Aleida & Jan Assmann, Frank Günther, Jo Lendle, Hanno Loewy, Hajo Steinert u. a.) Konzerten (Hans Theessink), Diskussionen, Autorenlesungen von Raoul Schrott, Monika Helfer, Köhlmeier selber und Filmen sowie einem mythologisch-Philosophischen Abend mit Konrad Paul Liessmann begleitet.
Orchesterkonzert Wiener Akademie
Auf historischen Originalinstrumenten, d.h. Blasinstrumente ohne Klappen und ein ehrwürdiger Hammerflügel von Clementi aus dem Jahre 1812 aus der Sammlung des Museums Schloss Kremsegg u.a. arrangierte Haselböck in etwa gleich großer Orchestergröße wie bei der Uraufführung im Palais Lobkovitz Wien.
Rolf Gregor Seyfried: Das Ende des Festes
Stellen Sie sich vor, Sie gehen jeden Mittwoch zur selben Zeit in die Wohnung des Nachbarn und nehmen dort ein Edbeerjoghurt aus dem Kühlschrank und essen es genüsslich. Die Frage ist dann, was tun mit dem leeren Becher? Was wird er Nachbar dazu sagen? Er sagt, nichts, er grüßt Sie weiterhin freundlich am Gang – oder war das soeben nicht wirklich eindeutig freundlich? - Und schon sind Sie mitten in der Handlung, Teil der Handlung. Nicht minder skurril ergeht es Ihnen, wenn das Spiegelbild NEIN sagt, während Sie JA gesagt haben. Sie sich nackt auf einer leeren Straße in einer verlassenen Stadt befinden und - ja die Gedanken fordern eine Fortsetzung der Geschichte….
Egyd Gstättner: Mein Leben als Hofnarr
Es ist verdammt hart, vom Schreiben als Autor leben zu wollen. Auch wenn man sein 18. literarisches Werk herausgibt und diverse Kolumnen schreibt/schreiben will, ist man den Zumutungen des Literaturbetriebes ausgeliefert. Diese Zumutungen und wie man sich darüber (nicht)ärgert und ständig in den Arsch beißt – das ist diesmal Gstättners Thema.
Hg. Josef Linschinger: gemeinsam mit gomringer
Wer ist Eugen Gomringer? Ist er nur Schriftsteller oder Begründer der Konkreten Poesie? Geb. 1925 in Bolivien, im fränkischen Rehau wirkend und wohnend traf er ab 1990 mit dem, ebenfalls an der Konkreten Kunst arbeitenden Kunstprofessor aus Linz – mit Josef Linschinger – zusammen.
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